Türkische Präsidentenfrau lobt den osmanischen Harem

Der Harem beflügelt seit jeher die Phantasien nicht nur der Orientalen.

Der Harem beflügelt seit jeher die Phantasien nicht nur der Orientalen.

Als „Ausbildungsstätte“ und Ausgangspunkt für Wohltätigkeit hat Emine Erdoğan, die Ehefrau des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, den Harem der osmanischen Sultane bezeichnet. Ihrer Auffassung nach seien Orientalisten daran schuld, eine negative Wahrnehmung orientalischer Frauen verbreitet zu haben. Solche Aussagen sind es, die Recep Tayyip Erdoğan in der westlichen Welt und mitunter in seiner Heimat dem Vorwurf aussetzen, sich als zeitgenössischer Sultan einer Groß-Türkei zu begreifen.

Historisch betrachtet war der Harem ein facettenreiches Phänomen, jedoch maßgeblich für dessen Bewertung aus europäischer Sicht war die dort praktizierte Vielweiberei, die Abschottung von Frauen gegenüber der Außenwelt und das Vorhandensein von Sklaverei. Die Gewalt und Brutalität des Osmanischen Reiches schlugen sich auch in der Realität des Harems nieder. Erst infolge der jungtürkischen Revolution wurde im April 1909 dem Harem des Sultans ein Ende gesetzt.

„Der Harem als ein Ort des Abenteuers entspringt romantisierenden Vorstellungen, wie sie insbesondere im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts verbreitet waren“, sagt der nordrhein-westfälische Geschäftsführer von pro Deutschland, Nico Ernst.

„Dass nun ausgerechnet die Ehefrau des türkischen Staatspräsidenten den Harem der Sultane in ähnlicher Weise idealisiert, ist Ausfluss einer rückschrittlichen Politik. Solche Mohammedaner sollen schön in Kleinasien bleiben und uns Europäer keinesfalls mit ihrer abwegigen Ideologie behelligen. Die Türkei ist gerade unter Erdoğan nicht in der Lage, in den Staatenverbund EU aufgenommen zu werden. Wir von der Bürgerbewegung pro Deutschland raten dem Staat am Bosporus davon ab, Phantasien einer Neuauflage des Osmanischen Reiches anzuhängen, weil deren Umsetzung zwangsläufig Krieg bedeuten würde.“