Sein oder nicht sein

Angela Merkel bei der Neujahrsansprache 2016.

Angela Merkel bei der Neujahrsansprache 2016.

Angela Merkels zentraler Satz zum neuen Jahr 2016 birgt Sprengkraft: „Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihren Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen.“ Die Voraussetzungen, von denen dieser Satz ausgeht, stimmen ebenso wenig wie die darin zumindest indirekt enthaltene Aussage: „Deutsch sein“ kann doch eigentlich jeder. Und wer das anders sieht, hat ein kaltes Herz.

Kälte, Wärme, Liebe und Hass sind rhetorische, nicht aber politische Begriffe. Merkel betrügt die Öffentlichkeit. Sie erklärt mehr oder weniger offen jeden zum Unmenschen, der ihr politisches Versagen nicht als Ausdruck menschlicher Wärme zu interpretieren vermag. Das ist nur allzu durchsichtig und verfängt bei niemandem, der einen formalen Intelligenzqotienten oberhalb von 90 hat.

Unfreiwillig offenbart Frau Merkel mit dieser Äußerung, dass sie die Bedürfnisse jener „Flüchtlinge“ nicht kennt, die derzeit in großer Zahl nach Deutschland kommen und zu deren Interessenvertreterin sie sich erklärt hat. Ihre Politik basiert auf einem falschen, wirklichkeitsfernen Menschenbild.

Der Franzose Émile Durkheim, einer der Begründer der modernen Soziologie, hat den Menschen beschrieben als soziales Wesen in einem dreidimensionalen Koordinatensystem aus Integration und Regulation. Zuviel von Beidem schadet, zu wenig auch. Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik ist es, das richtige Maß zu finden.

Die Deutschen leiden heute unter einem Mangel an Regulation und Integration durch den Staat. Die Folgen sind offensichtlich: hohe Kriminalität und Arbeitslosigkeit, zerrüttete Familien, ein sterbendes Volk.

Die meisten „Flüchtlinge“ dagegen sind in ihrem eigenen Kulturkreis durchaus gut integriert. Das gilt insbesondere für muslimische Zuwanderer, die regelmäßig über ein stabiles Weltbild verfügen.

Der Mangel an Regulation in Deutschland ist vielen „Flüchtlingen“ vom Hörensagen her bekannt, und die anderen erkennen schnell die scheunentorgroßen Lücken in den hiesigen staatlichen Regulationsbemühungen. Und die wissen manche von ihnen auszunutzen.

Sie haben, wenn sie nach Deutschland kommen, mehrheitlich kein Integrationsbedürfnis. Es geht ihnen nicht darum, „Deutsch sein“ zu wollen. Ihnen mangelt es an der wirtschaftlichen Perspektive im eigenen Land, nicht aber (anders als vielen Deutschen) an der Identität oder am Selbstbewusstsein.

Wie will eine politische Klasse, die an der Integration und der Regulation der eigenen Staatsbürger scheitert, den Rest der Welt lehren, was es heißt, „Deutsch zu sein“?

Den meisten „Flüchtlingen“ ist mit Bargeld besser gedient als mit Politiker-Parolen. Und für die Deutschen als Volk geht es langfristig um sein oder nicht sein.

Merkel und Co. haben sich offenbar für das „nicht sein“ des eigenen Volkes entschieden. Und sie behaupten allen Ernstes, jeder, der diese Entscheidung nicht mitträgt, habe gegenüber dem Rest der Welt ein kaltes Herz.

Wer im eigenen Kulturkreis derart schlecht integriert ist wie unsere politische Funktionselite, hat guten Grund, die Flüchtlinge um ihr Selbstbewusstsein zu beneiden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für das neue Jahr 2016!