Hundert Jahre deutsche Geschichte

Deutscher Soldat bei Verdun, Frankreich, 1916.

Deutscher Soldat bei Verdun, Frankreich, 1916.

Vor hundert Jahren endete mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine mehr als 40jährige Phase des Friedens und des wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa. Für Deutschland, dessen wilhelminisch geprägte damalige politische Klasse genauso mit dem Säbel rasselte wie die Zeitgenossen in den meisten anderen europäischen Adelshäusern, brach eine Katastrophe herein, deren sichtbare Zeugnisse Millionen Tote, zerstörte Städte und die Kapitulationserklärungen von 1918 und 1945 waren.

Schwerer wiegen für uns bis heute die fundamentalen, wenn auch weniger symbolträchtigen Zeugnisse der deutschen Niederlage(n) im 20. Jahrhundert.

1914 lag die deutsche Fertilitätsrate noch oberhalb von 3,0. Hundert Jahre später ist sie auf 1,3 zurückgegangen. 2,1 lebend geborene Kinder pro Frau sind nötig für eine stabile Bevölkerungsentwicklung.

Die 1910er Jahre zählten ein Dutzend deutsche Nobelpreisträger. Hundert Jahre später sind es im selben Zeitraum gerade noch drei.

Der Typus des „Dauerarbeitslosen“ war 1914 in Deutschland unbekannt. Seit den 1950er Jahren ist er selbst in Phasen aufwärtsgerichteter wirtschaftlicher Entwicklungen eine feste Größe im (zunächst west-)deutschen Wirtschaftsleben geworden.

Immerhin nimmt Deutschland heute keine Sonderrolle mehr ein im vereinten Europa. Genau wie alle anderen Europäer sehen wir Deutschen uns im Jahr 2014 konfrontiert mit der Anforderung, im eigenen Land Platz zu schaffen für die Ghettos von Zuwanderern aus zum Teil weit entfernten Kulturkreisen. Unsere heutige politische Klasse hat offenbar den Ehrgeiz, beim politischen und demographischen Niedergang der Europäer auf keinen Fall abseits zu stehen. Zumindest insofern sind wir endlich „in Europa angekommen“.

Wird es uns gelingen, die Abwärtsbewegung zu stoppen und den Trend umzukehren?

Meine Antwort auf diese Frage lautet: Wir haben eine Chance. Nutzen wir sie! Wir sind es denen schuldig, die vor uns um Deutschland gerungen haben, sowie denen, die nach uns kommen werden!